Das Institut für Sprachgestaltung& sprachkünstlerische Therapie

Am 3. Oktober 2015 beendet Christa Slezak-Schindler ihre Unterrichtstätigkeit im bisherigen Sinne. Damit schließt die weltweit erste anthroposophische Schule für therapeutische Sprachgestaltung, das Institut für Sprachgestaltung und Sprachkünstlerische Therapie, nach 37 Arbeitsjahren offiziell seine Pforten. Aus-, Fort- und Weiterbildungskurse, Seminare, Vorträge und Unterrichtsstunden in der gewohnten Weise werden nicht mehr angeboten.

Zugleich vollzieht sich eine Metamorphose im Sinne einer Erweiterung des bisherigen Schulungsangebotes, die sich auf jeden Menschen bezieht, dem Selbsterkenntnis, Selbstverwandlung und Selbstbestimmung inneres Anliegen sind, ob Berufssprecher – sei es als Schauspieler, Rezitator, Sprachtherapeut … – oder nicht.

In diesem Sinne tritt der Impuls der Sprachgestaltung in der medialen Übermittlung seiner künstlerischen Substanz und lebendigen Form, wie er durch von Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers in die Wege geleitet, durch deren Schüler vermittelt und durch Christa Slezak-Schindler weiter entfaltet wurde und wird, über die Brücke des Marie Steiner Verlags in eine allgemein zugängliche, zukunftsfähige und zugleich kostengünstige Möglichkeit einer Selbstschulung, die sich in freier Verantwortung des einzelnen Menschen vollziehen kann. Damit bleibt das Institut eine Schulform im Sinne der Begründer der anthroposophischen Geistesrichtung, und ist weiterhin in der Lage, Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in zunehmendem Maße anzubieten.

Institut für Sprachgestaltung
Institut für Sprachgestaltung

Geschichte der Schule / des Instituts

Christa Slezak-Schindler, geboren 1926 in Kassel, arbeitete, nach sprachkünstlerischen und pädagogischen Studien von 1958 bis 1961 am Goetheanum in Dornach, von 1962 bis 1985 als Sprachgestalterin an der Freien Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart. Ab 1965 zahlreiche Rezitationen, Vorträge und Seminare, sowie Kurse vorwiegend für Erzieher, Lehrer und Ärzte. Die in Jahrzehnten entwickelte Lehrmethode der Sprachgestaltung mit ihren therapeutischen, pädagogischen und esoterisch-religiös-kultischen Verzweigungen auf dem Boden der Kunst weiter auszubauen, erfordert permanente geisteswissenschaftliche Forschung. Kunstgemäße Tätigkeitsforschung bildet die Grundlage einer sinnvollen Anwendung der sprachkünstlerischen Möglichkeiten insbesondere in der Ausübung einer neuen Heilkunst, die Abwendung von Krankheiten ebenso wie Gesundheitspflege mitumfasst. In den bis 2005 stattfindenden sogenannten »Therapiewochen«, in welche die Erfahrungen einer reichen Praxistätigkeit einflossen, in zahlreichen Wochenendkursen, Seminaren und Einführungsveranstaltungen entwickelte Christa Slezak-Schindler eine lebendige Methodik der sprachkünstlerischen Therapie, welche die anthroposophisch geprägte Sprachtherapie maßgeblich beeinflusst hat und heute eine eigenständige Richtung bildet. Da die sprachkünstlerisch-praktische Arbeit auf dem von Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers geschaffenen Hintergrund der Anthroposophie innerster Beweggrund ist, konnte eine weitreichende Differenzierung und Vertiefung der Sprachkunst sowohl für die Erziehungskunst, als auch für die Heilkunst erfolgen. Verwunderlich ist das nicht, liegen doch Heil- und Erziehungskunst ebenso wie Selbstheilungs- und Selbsterziehungskräfte im Wesen der Sprache selber. Die Schule für Sprachgestaltung und Sprachkünstlerische Therapie wurde am 3. Oktober 1978 in Stuttgart gegründet. 1985 wechselte die Ausbildung von Sprachgestaltern und Sprachkünstlerischen Therapeuten nach Bad Liebenzell. Christa Slezak-Schindler leitete zwölf vierjährige Ausbildungskurse, zahlreiche Fortbildungskurse für Sprachgestalter, Ärzte und Lehrer; Vorträge im In- und Ausland, vorwiegend zur Sprachkunst – als Heilkunst in Gestalt der Sprachkünstlerischen Therapie – wechselten mit Rezitationen von Dichtung; Vortragsrede und Rezitation poetischer Texte bildeten stets eine unverwechselbare, kunstvolle Einheit.

Institut für Sprachgestaltung
Institut für Sprachgestaltung

Inhaltliche Schwerpunkte

Die Sprachlaute

Das Gebot, »aus der starren Larve der stummen Letter das Lied zu erlösen zum Leben im Laut«, galt für den fahrenden Barden in Jordans »Nibelunge«. Es gilt auch für uns, denn die elementarsten Denk- und Lebensformen der Anthroposophie sind die Sprachlaute. Ohne sie gäbe es keine Geisteswissenschaft, keine Eurythmie und keinen Kultus der Christengemeinschaft. In den Sprachlauten sammeln und verdichten sich lebendiger Sprach-Atem, geistgemäßes Zusammenstimmen und seelenerwärmende Bewegungskraft. Die Laute der Sprache sind die heil- und lebenskräftigen Ur-Keime der gesamten Anthroposophie.

Institut für Sprachgestaltung | Die Sprachlaute

Die Sprachrhythmen

Über den bloßen Gedankeninhalt hinaus Dichtung auszudrücken, in all ihrem lautlichen, rhythmischen, malerischen, plastischen und musikalischen Reichtum, erfordert die Beherrschung, zugleich aber auch den Freiheitswillen des ganzen Menschen. Rhythmus ersetzt Kraftanstrengung, Rhythmus zu finden heißt spielerischer Umgang mit verborgenen Lebensgesetzen. Stimmbildung, Atemschulung an der Sprache und gesammelte Gestaltungskraft sind neben geisteswissenschaftlicher Menschenkenntnis Voraussetzung eines beispielsweise eine eurythmische Darstellung impulsierenden, rhythmisch tragenden, sinnvoll durchwirkenden Sprechens.

Institut für Sprachgestaltung | Die Sprachrhythmen

Der Sprachatem

Rudolf Steiner spricht vom menschlichen Atmungssystem, in dem alle heilenden Kräfte darinnen liegen, Marie Steiner vom heilenden Atem. Rudolf und Marie Steiner lehrten das Atmen an der Sprache, das Sprechen im Atem. Sie wiesen einen Weg, der das Einleben in den dreigegliederten Atemmenschen ermöglichen wollte. Zusammengenommen in die sich selbst erschaffende Ichheit des Menschen verbindet die Hauptesatmung mit der Freiheitssphäre, lebt die Brustatmung zwischen Ruhe in der Bewegung und Bewegung in der Ruhe, vermittelt die Zwerchfellatmung innere Sicherheit im Sprechen.

Institut für Sprachgestaltung | Der Sprachatem

Die Sprachstimme

Die Schulung des Sprechens führt zur Verwandlung der Seelenkräfte, zur Impulsierung der Bewegungskraft im Geistigen, zur Erhaltung der Leibesgrundlagen. Geht dieses kostbare Schulungsgut innerhalb und außerhalb der anthroposophischen Bewegung verloren, dann kann die Anthroposophie ihre Zukunftsaufgaben kaum bewältigen. Dann erstickt sie an ihrer eigenen Gedankenfülle. Die Stimmbildung beruht auf der zu erstrebenden Elastizität des physischen Leibes.

Institut für Sprachgestaltung | Die Sprachstimme

Die sprachbegleitende Bewegung

Das Übereinstimmen von Gebärde und Sprache mit dem Atemgeschehen bildet einen weiteren Schwerpunkt. Dabei ist die Einbettung der sprachbegleitenden Bewegung in den Atem eine besondere Hilfe zur allmählichen Rhythmisierung des Atem-Geschehens. Grundgesten wurden herausgearbeitet, Lautgesten und andere, die mit dem Erreichen der tief in der Menschenseele liegenden schöpferisch gestaltenden Selbstheilungskräfte zu tun haben. Die Tätigkeit der Sprachorgane in ihrem Zusammenspiel mit dem gesamten Organismus wird durch gezielte Übungsbewegung angeregt und innerlich gesteigert.

All diese, unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen der Wesensglieder, untereinander stattfindenden Bewegungen, seien es ihre Ausrichtungen, Strömungen oder Schwingungen, dienen der Wiederherstellung der Einheitlichkeit des menschlichen Wesens. Das Wahrnehmen der menschlichen Gestalt sowie das Wirken des astralischen Leibes in den Ätherleib über die Zahlenverhältnisse der Silben im rhythmischen Aufbau der Übungen und Gedichte spielen in unterschiedlichen Übungsfolgen eine bedeutende Rolle.

Institut für Sprachgestaltung | Die sprachbegleitende Bewegung

Erziehungskunst und Sprachkunst

Die Sprache führt das Kind in das Leben auf der Erde. Es will in die Sprache hinein wachsen. Der Erwachsene muss die Sprache wieder befreien, das heißt freimachen von sich selber. Sie führt ihn in das Geistige. Wie der natürliche Spracherwerb von außen angeregt wird, so muss das künstlerische Sprechen von innen heraus willentlich ergriffen werden. Das Sprachübungsgut Rudolf Steiners dient nicht allein einem besseren oder gar bühnentauglichen Sprechen, in seinem Aufbau ist der Fahrplan zur Verwandlung des Menschen in einen schöpferisch Sprechenden gegeben. Denkend Erkennen, fühlend Bewegen und willentlich Gestalten finden zu einer neuen Einheit. Erziehung ist die eine Seite des Sprechenlernens, Selbsterziehung die andere.

Institut für Sprachgestaltung | Erziehungskunst und Sprachkunst

Die sprachkünstlerische Therapie

»Der physische Organismus ist«, so Rudolf Steiner, »von einem ätherischen Organismus durchsetzt. Der bloße physische Organismus könnte niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen. Ein solcher wird in dem ätherischen Organismus angefacht. Damit aber wird die Gesundheit als der Zustand erkannt, der im ätherischen Organismus seinen Ursprung hat. Heilen muss daher in einer Behandlung des ätherischen Organismus bestehen.« Deshalb ist ein bewusstes und phantasievolles Gestalten der Sprache und des Sprechens eine kraftvolle Aufforderung an den Ätherleib, sich so zu betätigen, dass die Sprache auf den Schwingen der Atmung aus der Enge des Leibes sich befreien, das Seelisch-Geistige ergreifen und heilsam zurückwirken kann auf den Sprechenden. Künstlerisches Sprechen vertraut sich den gesundenden Kräften an, die dem Wesen der Sprache innewohnen.

Institut für Sprachgestaltung | Die sprachkünstlerische Therapie

Die Esoterik der Sprachgestaltung

Die lebendigen Form- und Bildekräfte der Sprache finden sich, stark verdichtet, im Wahrspruch oder Meditationsspruch von Rudolf Steiner; Inhalt und Gestalt sind eins. Ein sprachkünstlerisch-übendes Eindringen gerade in die Seelenräume des eigenen Willens zielt auf ein bewusstes und tätiges Ergreifen des Wortes in seinen Lautverbindungen, seiner Stimmung, seiner Atemgestalt. Mantrisches Sprechen ist Ursprung und Weg der Sprachgestaltungskunst. Um diesen Weg gehen zu können, entwickelte Rudolf Steiner zahlreiche Sprachübungen, die geeignet sind, in immer tiefere Schichten der Sprache und des Wortes zu führen. Die Hochschule der Sprachgestaltung versucht zu ergründen und zu zeigen, dass alles, was Sprachgestaltung sein kann, an der Sprache selbst zu erlernen ist. Künstlerisches Sprechen auszuüben, darzustellen, erlebbar werden zu lassen, was künstlerisches Sprechen heißt, ist Lebenselement des sich seiner Sprache bewusstwerdenden Menschen.

Die Sprachgestaltung, wie sie hier vertreten wird, ist zahlreichen Gefahren ausgesetzt: der Unverbindlichkeit im Umgang mit ihren geistig-künstlerischen Grundlagen und Quellen, dem blinden Festhalten an Althergebrachtem und Gewohntem, Gleichgültigkeit, Unverständnis und Ablehnung jeglicher Erneuerung, die sich aus Liebe zur Anthroposophie als notwendig und geistgemäß erweist. Das Bewusstsein für die Anthroposophie der Sprachgestaltung innerhalb der anthroposophisch orientierten Daseinsfelder wiederherzustellen, zu begründen, zu vertiefen, und gleichermaßen für eine heilkünstlerisch wirkende, geistgerechte Anthroposophie neue, erkennbar ausstrahlende Heimatorte zu schaffen, bedarf vielfältiger und ausdauernder Unterstützung. Geschieht das, was Neuschöpfung, Vertiefung oder Durchdringung der einzelnen Ich-Wesenheit aus dem lebendigen Wort genannt werden kann, könnte der schwersten auf uns zukommenden Krankheit entgegengewirkt werden, dem Verlust des Mensch-Seins.

Institut für Sprachgestaltung | Die Esoterik der Sprachgestaltung
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