Das Haus der Sprache

Das »Haus der Sprache« ist aus dem »Haus des Wortes«, dem Goetheanum in Dornach, hervorgegangen. Es ist ein Raum der anthroposophischen Kunst als einer künstlerischen Wissenschaft, getragen vom Willen, sich der Sprach- und Wortkraft zu verbinden. In immer neuen Versuchen, den sprechenden Menschen von seinem Wesen her zu verstehen, ihn innerlich zu beleben und aus der Sprache heraus zu heilen und zu stärken, wollen diese Kräfte zur Anwendung kommen.

Haus der Sprache | Rudolf Steiner
Rudolf Steiner (1861 – 1925)

In der kongenialen Zusammenarbeit Rudolf Steiners mit Marie Steiner-von Sivers gerade auf sprachkünstlerischem Felde finden sich sowohl der Ausgangspunkt der Anthroposophie – gemeinsam begründeten sie die Anthroposophische Gesellschaft, verantworteten sie die esoterische Schulung – als auch deren heute noch verschüttete Zukunftskräfte. Am Anfang des öffentlichen Wirkens von Rudolf Steiner stand die Entwicklung und Anwendung von Sprachübungen für Arbeiter, in späteren Jahren erfolgte die Sprachschulung für Vortragsredner, Schauspieler, Lehrer, Priester. Rudolf Steiner war Sprachschöpfer und Sprachgestalter aus ganzem Herzen, sein Lebenswerk ist ein in geisteswissenschaftlich erweitertem Sinne sprachkünstlerisches. Er entfaltete eine grenzüberschreitende und universale Wissenschaft auf dem Boden eines erneuerten Sprachverständnisses, aus der Mitte einer tiefgreifenden Logos-Wirksamkeit, aus der Weltbewegungskraft der Sprache heraus.

Haus der Sprache | Marie Steiner-von Sivers
Marie Steiner-von Sivers (1867 – 1948)

»Wann wird der Tag kommen, der die Empfindung zurückgibt für des Wortes Heil- und Zauberkräfte?«, fragte Marie Steiner-von Sivers im Jahr 1924. Indem sie jene durch die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners verwandelte und erweiterte Kunst der Sprachgestaltung unablässig pflegte und dahingehend vertiefte, dass die Heilkräfte der Sprache geweckt, erkannt und im Raum des Atems zur Anwendung gebracht werden konnten, hat sie uns gezeigt, dass aus der alle Künste umfassenden und begeisternden Urkunst der Sprache hochwirksame Belebungs- und Erneuerungskräfte strömen können. Sie hat reiche Quellen für den Fortbestand der eigentlichen Menschlichkeit erschlossen; wir dürfen diese Quellen nicht versiegen und in missverstandener Wissenschaftlichkeit vertrocknen lassen. Sprachgeistige Lebensquellen wollen unser Denken beleben, befruchten, aus den Angeln heben und uns in unserem inneren Wesen neu erfinden und begründen.

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